Vielfalt am
Stiegl-Gut Wildshut

Biodiversität umfasst die Vielfalt der Gene, Arten und Ökosysteme und ist eine wichtige Lebensgrundlage. Sie spielt unter anderem für Nahrung, sauberes Wasser, fruchtbare Böden und die Widerstandsfähigkeit unserer Umwelt eine bedeutende Rolle. Am Stiegl-Gut Wildshut beschäftigen wir uns deshalb intensiv mit biologischer Vielfalt und berücksichtigen sie bei der Nutztierhaltung und der Bewirtschaftung unserer Flächen. Der Natur wird dabei bewusst Raum und Zeit gegeben.

Vielfalt der Arten

In unserer Bio Landwirtschaft finden sich seltene Tierrassen, so auch das Pinzgauer Rind.

Pinzgauer Rinder

Diese Rasse ist eine Salzburger Urrasse mit einer Zweinutzung (Milch & Fleisch). Ein Teil der Milch wird zu Käse verarbeitet, das Fleisch von unseren bei der Schlachtung mindestens 24 Monate alten Rindern kommt in unserer eigenen Gastronomie auf den Teller.
Unsere Jungtiere werden im Sommer gealpt. Aktuell sind wir dabei, die muttergebundene Kälberaufzucht mit Milchwirtschaft in unserer Bio-Landwirtschaft zu etablieren.

Shropshire Schafe

Es gibt Schafe, die fressen einfach alles – und dann gibt es die Shropshires – unsere „Wildshut Girlies“. Diese britischen Ladies haben den guten Ton quasi mit eingestrickt bekommen. Während andere Rassen gern mal Obstbäume anknabbern, grasen Shropshires nur ganz vornehm das Gras drumherum. Deshalb gelten sie als die perfekten „Rasenmäher“ für Obstplantagen, Weinberge und Hopfenfelder. Denn sie sind immer hungrig auf Unkraut, aber höflich genug, die Bäume in Ruhe zu lassen. Das Shropshire-Schaf ist ein echter Allrounder – charmant, nützlich und dabei so liebenswert, dass man fast vergisst, dass es eigentlich nur ein Schaf ist.

Dunkle Bienen sammeln fleißig Nektar fuer die Honigproduktion am Biergut.


Dunkle Bienen

In Wildshut wurden die Dunklen Bienen mit 25 Völkern, die geschätzt 600.000 Arbeiterinnen umfassen, wieder angesiedelt. Die Dunklen Bienen gelten als gefährdet und wurden von den Kärntner Bienen verdrängt, weil diese größere Völker bilden und dem Imker dadurch mehr Ertrag liefern. Die Dunkle Biene ist widerstandsfähig, langlebig und flugstark, verträgt schlechtes Wetter und kalte Winter.
Unser Wildshut Honig wird gepresst und nicht geschleudert, das ist schonender. Zudem wird er nur einmal im Jahr (i. d. R. Ende Juli) entnommen. Ein Teil verbleibt für die Bienen, um nicht mit Zuckerwasser zufüttern zu müssen. Deshalb kann es in trockenen Jahren auch vorkommen, dass wir wenig bzw. keinen Honig haben.

Das Sulmtaler Huhn ist besonders witterungsbeständig und hat einen robusten Körperbau.


Sulmtaler Hühner

rDas Sulmtaler Huhn ist eine große und wetterfeste altsteirische Zweinutzungshühnerrasse und galt aufgrund seiner ausgezeichneten Fleischqualität bereits Ende des 19. Jahrhunderts als Delikatesse an den Königs- und Kaiserhöfen in Wien und Frankreich. Die Rasse zählt mittlerweise zu den gefährdeten Haustierrassen in Österreich.
Das Sulmtaler Huhn ist ein Huhn mit robuster Natur und hoher Widerstandsfähigkeit, es lebt in Freilandhaltung und sucht sich als guter „Futtersucher und Felderer“ seine Nahrung vorzugsweise selbst. Seine beliebtesten Aufenthaltsorte sind daher auch Wiesen, Weiden und Äcker. Im Sommer bevorzugt es die kühlen Mischwälder oder schattenspendende Obstplantagen, im Winter die warmen Stallungen. Experten bezeichnen es als frohwüchsig, temperamentvoll, robust und genügsam. Trotz ihres hohen Gewichts können Sulmtaler Hühner recht gut fliegen.

Die gefleckte Weinbergschnecke in Ihrem Reich am Stiegl-Gut Wildshut

Bierbergschnecken = Gefleckte Weinbergschnecken

Unsere Schnecken sind die Gefleckten Weinbergschnecken – auch unter dem sehr schönen Namen Helix Aspersa Maxima bekannt. Sie unterscheiden sich von den heimischen Weinbergschnecken, da sie im Winter keinen Kalkdeckel bilden und daher überwintert werden müssen bzw. schlachten wir die Schnecken im Herbst nach einem schönen Sommer.
Die Aufzucht der Gefleckten Weinbergschnecke ist etwas einfacher, da die Tiere bereits nach ein paar Monaten geschlechtsreif sind und somit schneller für Nachwuchs sorgen. Die heimische Weinbergschnecke braucht im Vergleich ca. zwei Jahre dafür.
Die Schnecken fühlen sich im schattig feuchten Schneckengehege sehr wohl und benötigen außer etwas Kalk, genügend Wasser und Gemüse nicht viel.

Vielfalt der Lebensräume

Die Bienenstoecke der Dunklen Bienen in der Landwirtschaft auf dem Stiegl-Gut Wildshut

Landwirtschaft und biologische Vielfalt stehen in enger Verbindung. Am Stiegl-Gut Wildshut testen wir gemeinsam mit der Landwirtschaftsschule HBLA Ursprung unterschiedliche Maßnahmen und sammeln Erfahrungen dazu, wie sich die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen und der Erhalt von Lebensräumen für unterschiedliche Arten miteinander verbinden lassen.

Das Grundfutter für unsere Pinzgauer Rinder wächst auf Wiesen mit besonders ertragreichem Boden, die noch vor der Blüte gemäht werden und auf denen sich daher kaum Blumen finden. Gleichzeitig gilt es aber, auch Wiesen zu erhalten, die ein umfassendes Blühangebot für Bienen und Schmetterlinge bieten. Böden mit geringerem Nährstoffgehalt sind ideal für diese Zwecke. In Wildshut hegen und pflegen wir daher auch solche Magerwiesen.

Eine davon hat sich zu einem besonderen Juwel mit ca. 70 verschiedenen Pflanzenarten sowie Gräsern, Kräutern und Leguminosen entwickelt, auf dem sich bis Mitte Juli Insekten nähren. Die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) hat auf unserem Biergut eine Erhebung der Wildbestäuber durchgeführt. Dabei wurden 27 Wildbienenarten gezählt. Darunter auch die sehr gefährdete Blutbiene (Sphecodes pellucidus) sowie vier weitere Arten, die im angrenzenden Bayern bereits auf der Vorwarnliste für gefährdete Arten stehen: Distelhummel (Bombus soroeensis), Waldhummel (Bombus sylvarum), Schmalbiene (Lasioglossum lativentre) und Furchenbiene (Halictus subauratus).

Gemäht wird erst, wenn die Samen der Blumen ausgereift sind. Dadurch kann das Blumenmeer im nächsten Jahr wieder in voller Pracht erblühen. Das spät geerntete Heu mit vielen Kräutern wird dem Futter der Jungrinder beigemengt.

Konrad Steiner und Victoria Seidl begleiten das Projekt Agroforstsystem.

Agroforst-Projekt für Biodiversität und Landwirtschaft

Das Agroforst-Projekt von Stiegl und der HBLA Ursprung in Wildshut beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Biodiversität und landwirtschaftlicher Nutzung. Im Rahmen dieses innovativen Projekts pflanzen Schüler:innen rund 4.000 regionale Weidenstecklinge und schaffen damit zahlreiche Kleintier-Habitate. Diese Art von Weidenpflanzungen tragen etwa zur Verbesserung der Bodenqualität bei. So hat eine Metastudie etwa gezeigt, dass die Kohlenstoffbindung dadurch um 48 Prozent steigen kann. Außerdem werden wichtige Rohstoffe für die Energiegewinnung und Kompostierung geliefert. Besonders bemerkenswert ist die Förderung der Artenvielfalt bei Agroforst-Systemen: Eine Studie belegt, dass im Vergleich zu reinen Ackerflächen die Artenvielfalt um 60 Prozent steigen kann- unter anderem profitieren davon etwa verschiedene Vogelarten.

Die Dokumentation des Projekts durch die Schüler:innen, unterstützt durch Bildmaterial und GPS-Daten, ermöglicht eine Nachverfolgung der Entwicklungen. Das Projekt liefert praktische Erfahrungen dazu, wie Agroforstsysteme in landwirtschaftliche Flächen integriert und unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten miteinander verbunden werden können.

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Kleinhabitate für Insekten

Der Klimawandel und damit verbundene Wetterextreme stellen die Landwirtschaft vor wachsende Herausforderungen. Auf unserem Stiegl-Gut Wildshut beschäftigen wir uns laufend mit diesem Thema und erproben unterschiedliche Ansätze für den Umgang mit diesen Veränderungen. So haben wir 2021 gemeinsam mit der HBLA Ursprung Bäume und Hecken in Agroforst-Streifen mitten in einem Braugerstenacker gepflanzt, mit dem Ziel, die Artenvielfalt zu fördern und zu untersuchen, wie sich die Hecken auf Wachstum und Ertrag auswirken. Das Projekt wurde gemeinsam weiterentwickelt und um verschiedene Kleinhabitate ergänzt, die zusätzliche Lebensräume für unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten bieten können. Zu den Kleinhabitaten für Igel, Insekten, Spinnen, Wiesel, Marder & Co zählen etwa Totholz, Steinhaufen, Benjeshecken, Altgras, freie Erdstellen oder Blühflächen.​​